Fakultätssiegel

Alle wichtigen Siegel der Universität Basel stammen, wenigstens dem Motiv nach, aus dem 15. oder 16. Jh. – bis auf eines: dasjenige der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Nach der Verselbständigung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung der Philosophischen Fakultät im Jahre 1937, konnte diese neugeschaffene Fakultät das Artistensiegel sowohl wegen des Sujets als auch aus praktischen Erwägungen nicht mehr benützen. Sie schaffte sich ein Neues, das alle anderen an Grösse übertraf; vielleicht wollte sie damit dokumentieren, dass ihr als Verwalterin der exakten Wissenschaften die Gegenwart besonders geneigt sei und ihr die Zukunft die reichsten Entwicklungsmöglichkeiten biete. Ein Basilisk als Symbol der ungebändigten, wilden Natur hält die logarithmische Spirale, das Symbol der durch den menschlichen Geist gebändigten Natur, umklammert. Jacob I. Bernoulli hatte sich dieses Zeichen zum Schmuck seiner Grabplatte bestimmt. Es findet sich ausser auf seinem Epitaph im Münsterkreuzgang auch im Amphitheater des Bernoullianums. Dieses gediegene moderne Siegel reiht sich würdig an die alten an. Der Eifer, mit dem die Fakultät die Entwicklung ihres Insigniums betrieben hat, lässt erkennen, dass ein Fakultätssiegel immer noch ein unentbehrlicher Gebrauchsgegenstand ist.

Das Siegel wurde 1938 nach Angaben der Fakultät und ersten Entwürfen des Kunstmalers Otto Plattner (Liestal) von Medailleur Hans Frei (Riehen) angefertigt. Ein nach links blickender Basilisk hält mit seinen beiden klauenbewehrten Füssen einen leicht geschwungenen und oben geschweiften Schild, auf dem die Logarithmische Spirale der Mathematiker Bernoulli mit der kreisrunden Umschrift ● EADEM ● MVTATA ●RESURGO ● zu erkennen ist. Der in einen Pfeil auslaufende Schweif des Basilisken, der untere Teil des Wappens und der hahnenartige Kopf ragen über das innere Kreisfeld hinaus. Die Umschrift in modernen Kapitalbuchstaben heisst: S ● O ● PHILOSOPHORVM / ET PHYSICORVM ●

Auszug aus: Lukas Wüthrich, Die Insignien der Universität Basel, Studien zur Geschichte der Wissenschaften in Basel, Band VIII, Basel 1959